Bergen (Dumme)

Die Turmfassade ist die Schauseite der Kirche in Bergen an der Dumme. Die Front reiht sich in die lange Reihe der Geschäfts- und Wohnhäuser an der Hauptstraße ein. Durch seine Größe und die repräsentative Gestaltung der zur Straße hin gelegenen Fassade hebt sich das Gebäude aus der „normalen“ Bebauung hervor. Die erst Ende der 1830er Jahre fertiggestellte Kirche fiel bei einem Stadtbrand im Jahr 1840 den Flammen zum Opfer, konnte aber dank einer Brandversicherung wiederaufgebaut werden. Die Einweihung erfolgte im Jahr 1842.

Turmfassade

Vor das Langhaus mit seinen schmucklosen Außenwänden aus Backstein hat Hellner in Bergen einen breiten Querriegel mit einem separaten Satteldach gesetzt, aus dem der quadratische Turm aufragt. Dieser Gebäudeteil zeichnet sich durch eine wesentlich reichhaltigere Ausführung aus. Zweigeschossig angeordnete Rundbogenfenster, Eckquaderungen und ein breites Putzband unterhalb der Traufe gliedern die Fassaden.

Die mittlere Achse wird durch einen mit einem Dreiecksgiebel abschließenden Mittelrisaliten betont, der auch das Eingangsportal aufnimmt. Risalit und Gebäudeecken sind in Quaderputztechnik ausgeführt, eine von Hellner favorisierte Methode, um die hohen Kosten für Werksteinquader zu umgehen.

Kanzelaltarwand

Der Innenraum wird von einer umlaufenden Empore mit einer Säulenarchitektur geprägt. Die an den Ecken abgerundete Kanzelaltarwand mutet wie die Außenwand eines prächtigen Stadtpalastes an. Das obere Geschoss wird durch hohe Rundbogenfenster und deckenhohe kannelierte Pilaster gegliedert, die, wie auch die Säulen im Emporengeschoss, mit geschnitzten korinthischen Kapitellen enden. Wie ein kleiner Balkon ragt die Kanzel daraus hervor. Das Wort Gottes sollte in früheren Zeiten schließlich aus gebührender Höhe verkündet werden.

Der unter der Kanzel gelegene Altar wird zu beiden Seiten von zwei Türen mit je einem kleinen rechteckigen Fenster eingerahmt. Diese für die Kirchen Hellners fast obligate Anordnung diente während des Abendmahls dazu, nach dem Empfang des Brotes auf der einen Seite hinter dem Altar hindurch zur gegenüberliegenden „Weinseite“ zu gelangen.

Ganz in der Nähe vom Ort der Predigt und des Abendmahls steht der Taufstock, der aus der Erbauungszeit der Kirche stammt. Die Bedeutung der Taufe als weiteres Sakrament in der evangelischen Kirche wird durch die künstlerische Gestaltung des hölzernen Taufbeckens besonders hervorgehoben. Große Akanthusblätter zieren den Sockel, geschnitzte Palmettenornamente sind an der Außenseite des Beckens angebracht.

Die Orgel wurde im Zuge des Kirchenneubaus von dem hannoverschen Orgelbauer Ernst Wilhelm Meyer und dessen Söhnen hergestellt. Der Prospekt nimmt mit seinen Rundbögen und Pilastern Elemente der gegenüberliegenden Kanzelaltarwand auf und fügt sich perfekt in den Innenraum ein. Glücklicherweise war die Orgel beim Brand der Kirche im Jahr 1840 noch nicht eingebaut worden. Pünktlich zur Wiedereinweihung 1842 konnte auch das Instrument aufgestellt werden.

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