Herz-Jesu-Kirche Klein Berßen

Die katholische Pfarrkirche der beiden Dörfer Groß- und Klein-Berßen im Emsland steht seit alters her in der Ortschaft Klein-Berßen, der nach Einwohnerzahl größeren Gemeinde. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde hier ein neues Gotteshaus im Stil der Neugotik erbaut. Der Vorgängerbau, ein Feldsteinbau aus dem Mittelalter, war, obwohl kunsthistorisch bedeutsam, wegen eines schlechten baulichen Zustandes abgerissen worden.

Das Besondere an der Kirche in Klein-Berßen ist ihre einheitliche Ausstattung aus der Zeit um 1900. Mit ihrer reichhaltigen Ausmalung und einer Fülle von Details im Inneren bietet sie vielfältige Möglichkeiten für Kirchenführungen.

Während die alte Kirche unter dem Patrozinium des Erzengels Michael und Johannes‘ des Täufers stand, wurde der Neubau einem Glaubensgeheimnis, der Verehrung des Herzens Jesu, gewidmet. Die wechselnde Namensgebung im Laufe der Kirchengeschichte des Ortes und die damit verbundenen Glaubensinhalte standen im Mittelpunkt meiner Führungen in der Herz-Jesu-Kirche im Jahr 2022.

Die Erinnerung an die Schutzheiligen der Vorgängerkirche werden in Klein-Berßen wach gehalten. Der Erzengel Michael, eine Statue aus dem alten Bau, ist in einer gemauerten Nische des Kriegerdenkmals im Außenbereich der Kirche zu sehen. Der Drachen zu seinen Füßen symbolisiert das Böse, das der Erzengel besiegt hat. Die Waage in seiner rechten Hand deutet auf seine Rolle als Seelenwäger beim Jüngsten Gericht hin. Als Ritter mit Rüstung, Schild und Lanze ist er auch in einem der spitzbogigen Glasfenster der Südwand dargestellt.

Das gegenüberliegende Fenster zeigt Johannes den Täufer mit einem Spruchband „Tuet Buße“ an einem Kreuzstab, das Bezug nimmt auf seine Rolle als Bußprediger in der Wüste.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

Johannes 1, 29

Eine Statue Johannes‘ des Täufers auf einer Wandkonsole ist der älteste Ausstattungsgegenstand der Berßener Kirche. Die Sandsteinskulptur aus dem Mittelalter wurde aus der Vorgängerkirche übernommen. Der Fingerzeig auf das Lamm in seiner linken Hand versinnbildlicht den Ausspruch des Täufers bei der Taufe Jesu in der Wüste. Weitere Johannesdarstellungen finden sich auf der Orgelempore und auf dem Taufstein, hier mit Siegesfahne.

Der Opfertod Jesu, der unsere Sünde auf sich genommen hat, für uns gestorben ist und dadurch seine Liebe offenbart hat, steht in engem Zusammenhang mit dem Namen der Kirche. Die Verehrung des Herzens Jesu, das als Symbol für seine Liebe steht, spiegelt sich im Bildprogramm des Kirchenraums in besonderem Maße wieder. So ist Jesus Christus mit dem flammenden, von einer Dornenkrone umgebenen Herz vor seiner Brust in unterschiedlichen Darstellungsformen zu sehen.

Anhängerinnen der Herz-Jesu-Verehrung waren die deutsche Zisterzienserin Gertrud von Helfta und die französische Ordensschwester Maria Alacoque. Beide werden in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. An das Wirken der beiden Frauen, die sich durch Visionen und Schriften als Wegbereiterinnen der Bewegung erwiesen, erinnern mehrere Abbildungen in der Kirche.

So wie das Sterben gilt auch die Leidensgeschichte des Gottessohnes als Ausdruck seiner Liebe zu den Menschen. Sie wird ausführlich in reliefartigen Darstellungen der Kreuzwegstationen an den Wänden des Kirchenschiffs dargestellt. Die Ausmalung der Pfarrkirche nimmt symbolisch Bezug auf die Passion.

Vom Sterngewölbe des Chors blickt eine Schar von Engeln herab, die in ihren Händen Marterwerkzeuge tragen. Stilisierte Blüten der Passionsblume, deren Teile als Symbole der Leidenswerkzeuge gesehen wurden, schmücken die Langhauswände. Ihre Blätter und Ranken sind in den Gewölben dargestellt.

Auf den Opfertod Jesu deutet auch die Gestaltung des früheren Hochaltars hin, dessen Bildprogramm das Sakrament der Eucharistie in den Mittelpunkt stellt.

Ecce agnus dei !

„Seht das Lamm Gottes!“ Der Ausspruch Johannes‘ des Täufers ist auf der Vorderseite der Altarmensa zu lesen. Das Lamm, das auf dem Buch mit sieben Siegeln liegt, das Altarkreuz, der Pelikan, der seine Jungen scheinbar mit seinem eigenen Blut nährt – die Bilder stehen für den Opfertod Jesu, an den bei der Feier der Eucharistie erinnert wird. Zwei reliefartige Darstellungen im Altaraufsatz, die Hochzeit zu Kana und die Brotvermehrung, weisen auf die Symbolik von Brot und Wein bei der Feier der Eucharistie hin.

Ein ganz anders gearteter Blickfang bei den Führungen war eine im Topf gezüchtete Passionsblume, die über den Sommer hinweg regelmäßig Blüten zu Tage brachte. Die Pflanze gab Möglichkeiten zum Vergleich mit den Malereien in der Kirche. Es mag mit der Fantasie des Betrachters zusammenhängen, inwieweit man in der Blüte Symbole der Passion erkennt.

Über eine gut besuchte Führung für Senioren berichtete die Monatsschrift „Informationen für Sögel und Umgebung“, Ausgabe November 2022 (herausgegeben vom Forum Sögel e.V. und Sögel Marketing):

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