Seehesten (Szęstno, PL)

Im Mai 2018 hatte ich Glück. Nach einer Messe für  Erstkommunionkinder führte mich Pfarrer Darius Lesniak im polnischen Szęstno höchstpersönlich durch seine Kirche. Die bis 1945 evangelische Kirche im früheren Seehesten in Ostpreußen hat vieles von ihrer Ausstattung aus einer jahrhundertealten Geschichte bewahrt. Lesniak selbst hat eine Beschreibung der Kirche in deutscher Sprache verfasst, die  –  befestigt mit schwarz-rot-gelben Nadeln an einer Pinwand  –  in der Turmhalle zu lesen ist.

Seehesten (51)

Jesus Christus steht im Mittelpunkt der bildlichen Darstellungen des Kirchenraums. Die Wangen der Kanzeltreppe aus dem Jahr 1625 sind mit Szenen der Passionsgeschichte bemalt. Das Epitaph des Fabian von Lehndorf  (gest. 1650) zeigt als Mittelmedaillon ein Flachrelief der Auferstehung Christi. Ein Pelikan, der ein Junges mit seinem Blut nährt – Symbol für Christus und seinen Opfertod – dient  als Bekrönung des Schnitzaltars aus dem 17. Jahrhundert. Während das obere Bildfeld des Aufsatzes eine Kreuzigungsszene zeigt, scheint die Darstellung Mariens mit dem Kind auf einer Mondsichel  im Mittelpunkt eher untypisch für einen Altar einer protestantischen Kirche.  Die  Marienskulptur, von  einem Strahlenkranz umgeben, stammt wahrscheinlich von einem älteren Altar. Zusammen mit den  Figuren der Apostel Petrus und Paulus zu beiden Seiten wurde sie bei einem Brand der Kirche Anfang des 17. Jahrhunderts gerettet und später in den neuen Altar eingebaut.

Außer der genannten Grabplatte erinnern verschiedene Objekte in der Kirche an das Wirken von Adligen in der Gemeinde. Der Altar als Stiftung des Fabian von Lehndorf zeigt dessen Wappen. Besondere Stühle und Stände, gestalterisch durch Schnitzarbeiten und Bemalungen hervorgehoben, unterstreichen das auch im Kirchenraum hervortretende Standesbewusstsein in der damaligen Gesellschaft. Einzigartig finde ich zwei Totenfahnen aus bemaltem Kupferblech, die zum Gedächtnis an Johann von Sternberg (gest. 1686) und Just Bernhard von Wilmsdorff (gest. 1711) über der Empore aufgehängt wurden. Aber auch „normale“ Personen hatten wichtige Aufgaben in der Gemeinde wie zum Beispiel der Glöckner, der mit dem Seil in der Hand in der Turmhalle abgebildet ist. Die Inschrift der  Glocke, die 1862 in Königsberg umgegossen wurde, informiert über die damaligen Pfarrer und Kirchenvorstände.

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