Dorfkirche Steffenshagen

Mönche aus dem benachbarten Zisterzienserkloster Doberan haben wahrscheinlich beim Bau der Kirche in der kleinen Ortschaft Steffenshagen an der mecklenburgischen Ostseeküste mitgewirkt. Der Chor im Osten wurde im 13. Jahrhundert errichtet, 600 Jahre später bekam die Kirche mit einer Erweiterung im Stil der Neugotik ihre heutige Gestalt. Neben einer interessanten Baugeschichte bietet die Kirche eine Fülle von Details, die mit einer starken Symbolkraft Inhalte des christlichen Glaubens versinnbildlichen.

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Die Dorfkirche zu Steffenshagen

„Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth …“  –  die ersten Verse des 84. Psalms über dem Turmportal Kirche beschreiben das Gebäude als Gotteshaus, gleichsam als Vorhof des Himmels. Die Außenwände dieser „Wohnung“ hingegen wirken bei näherer Betrachtung nicht unbedingt einladend. Wilde Tiere und Fabelwesen, die sich wie in einem Kampf gegenüberstehen, schmücken als kunstvoll gestaltete Formsteine den Chor. Den Eingang zu diesem ältesten Teil der Kirche scheinen zwölf aufmerksame Wächter zu beobachten. Die aus Ton gearbeiteten Skulpturen im Gewände der „Priesterpforte“ stellen biblische Gestalten dar.

Dieser Gegensatz stand im Mittelpunkt einer Führung in Steffenshagen am 21. April 2018. Dabei wurde das aus Backsteinen gestaltete Bildprogramm der Außenwände des Gebäudes der Ausstattung des Innenraums gegenübergestellt. Während dort der Kampf zwischen Gut und Böse, vielleicht auch zwischen Heiden und Christen dargestellt ist, weisen hier Kreuze aus verschiedenen Epochen und Materialen auf die Kirche als Haus Gottes, seine „liebliche Wohnung“  hin.

Die älteste Christusdarstellung auf dem steinernen Taufbecken (um 1200) zeigt den Gekreuzigten aufrecht mit langem Gewand. In späterer Zeit, wie am Triumphkreuz aus dem 15. Jhd., wird Christus als Leidender mit gesenktem Haupt, Dornenkrone, Wundmalen und Lendentuch abgebildet. In dieser Weise sind auch das geschnitzte Altarkreuz und der Christus einer Kreuzigungsgruppe in einer Nische des Chors gestaltet.

Apropos „Wohnung“… Neben Jesus Christus befinden sich im Haus Gottes in Steffenshagen noch viele andere „Personen“, oder zumindest wird an sie erinnert. Maria, die zwölf Apostel und einige Heilige sind als Schnitzfiguren im vorreformatorischen Altarretabel dargestellt. In Nischen der Chorwände wurden Holzskulpturen der vier Evangelisten angebracht, die möglicherweise aus einer alten Kanzel stammen. In den Fußboden und in die Wand hinter dem Altar eingelassene Grabplatten  erinnern an Menschen, die in der Kirche beigesetzt wurden. Auf Holztafeln sind zum Gedenken die Namen der Kriegsgefallenen aus der Gemeinde aufgeführt.

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