Stiepelse

„Hier ist Niedersachsen“ scheint das Welfenross im Wappen an der Schutzmauer auf dem Elbdeich in Stiepelse zu vermitteln. Während die Elbe zur Zeit der deutschen Teilung hier im Nordwesten Grenzfluss war, erstreckte sich das Gebiet der früheren Provinz Hannover bis 1945 über das nördliche Elbufer hinaus. So ist es zu erklären, das in Stiepelse, das heute wieder zum niedersächsischen Kreis Lüneburg gehört, im Jahre 1852 eine Kirche nach Plänen des damaligen hannoverschen Konsistorialbaumeisters erbaut wurde.

Die Kirche in Stiepelse liegt direkt hinter dem Elbdeich. Das nicht einmal 100 Einwohner zählende Dorf erstreckt sich im Wesentlichen entlang der Dorfstraße, die parallel zum Deich verläuft. Hier herrscht absolute Ruhe, es gibt keinen Durchgangsverkehr. Nur der Elbradweg, der dem Flusslauf von der Quelle bis zur Mündung folgt, führt durch das Dorf.

Die kleine „Marienkapelle“ ist ein einfacher Rechteckbau in Ziegelmauerwerk. Die Front des eingezogenen Turms ragt nur wenig aus der zur Straße hin gelegenen Fassade heraus. Die Langhauswände sind durch vier Fensterachsen gegliedert. Die in Quaderputztechnik ausgeführten Ecklisenen sind charakteristische Elemente der Entwürfe Hellners.

Durch eine differenzierte Gestaltung der ersten Achse, die ein kleines Rundfenster über einem Rundbogenfenster enthält und durch eine zusätzliche Lisene hervorgehoben wird, entsteht der Eindruck eines Querriegels, wie er in größeren Kirchen des Baumeisters (siehe Bergen/Dumme) deutlich hervortritt und mit aufwändiger Gestaltung ausgeführt wurde.

Im flachgedeckten Innenraum weist die turmseitige Wand im Erd- wie auch im Obergeschoss drei rundbogige gemauerte Arkaden auf. Die mittlere Achse wird von deckenhohen Pilastern eingefasst. Im oberen Bereich entsteht durch eingesetzte Brüstungen eine kleine Empore, die durch die seitlichen Rundfenster spärlich erhellt wird.

Im Rahmen einer Renovierung in den 1990er Jahren wurde die nicht mehr vorhandene Kanzelaltarwand nach einem alten Foto rekonstruiert und an der gegenüberliegenden Wand eingebaut. Ein großes hölzernes Kruzifix aus dem Jahr 1956 und Tafeln mit reliefartigen Darstellungen von Bibelszenen schmücken die geweißten Innenwände.

Die kleine Kirche hinter dem Deich ist sicher nicht die größte und auch nicht die prächtigste unter den Bauten Friedrich August Ludwig Hellners. Einzigartig aber ist ihre Lage in den Elbauen am ruhig dahinfließenden Strom. Und: anders als viele andere ist sie verlässlich geöffnet, selbst an einem späten Nachmittag im Oktober. Viele der vorbeifahrenden Radfahrer werden sich darüber freuen.

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