Dieses Allianzwappen schmückt das Eingangsportal im Westen der Kirche in Wetzhausen in Unterfranken. Die Inschrift zeigt dem Besucher an, dass Veit Heinrich Truchsess von und zu Wetzhausen den Bau im Jahr 1708 „vor Sich und die danckbare Nachwelt“ hat errichten lassen. Ebenso Ehrfurcht gebietend wie der Name ist auch der Titel des Erbauers, der als Römisch-kaiserlicher Rat und General-Feldmarschall-Leutnant und „Obrister zu Pferd“ sicher ein bedeutender Mann war.
Das linke Wappen ist das seiner Familie, das rechte das seiner dritten Ehefrau, einer geborenen von Jöstelsberg. Ihre beiden Vorgängerinnen waren leider bereits verstorben, als der Kirchenbau vollendet war.


Der Eingang, der direkt in die große Herrschaftsloge der Kirche führt, liegt in einer Sichtachse mit dem Stammsitz der Familie, einem leider verfallenden Renaissanceschloss ganz in der Nähe. Wetzhausen ist ein sehr kleines Dorf abseits wichtiger Verkehrswege. Scharen von Touristen werden den Ort sicher auch im Sommer nicht besuchen. An einem kalten Tag im Februar war ich in der geöffneten (!) Kirche allein. Ich hatte eine Besichtigung der Kirche schon seit langem geplant und war begeistert.
Die Kirche
Die Martinskirche ist ein Saalbau mit einem Satteldach und einem eingezogenen polygonen Chor. Der Chorflankenturm an der Nordseite schließt mit einer welschen Haube mit Laterne ab. Die Außenwände von Turm und Langhaus sind verputzt. Eckquaderungen und Sandsteinumrahmungen von Fenstern und Eingängen heben sich deutlich von den glatten Wandflächen ab. Die Westfassade mit dem Herrschaftsportal ist aufwändiger gestaltet. Sie ist in zwei Geschosse gegliedert. Ein breiter Mittelrisalit wird von einem zweistöckigen Volutengiebel bekrönt. Den Fenstern sitzen hier dreieckige bzw. segmentbogige Giebel auf.


Der hohe Innenraum schließt mit einem Spiegelgewölbe ab, das mit Stuckarbeiten verziert ist. Im westlichen Bereich befindet sich der ausgedehnte Herrschaftsstand, der etwa die halbe Höhe des Langhauses einnimmt. Die raumteilende, von Pilastern in drei Achsen gegliederte Trennwand ist wie eine repräsentative Außenfassade gestaltet. Im Kirchenraum führen drei Stufen zu der in der Mitte gelegenen Eingangstür. Durch die breiten verglasten Rundbogenfenster der seitlichen Achsen konnte die Adelsfamilie am Gottesdienst teilhaben. Die Orgelempore über diesem Raumteil geht in die seitlichen Emporen der Langhauswände über.

Während sich die barocke Kanzel mit den Schnitzfiguren der Evangelisten und einer Darstellung von Jesus als gutem Hirten auf dem Schalldeckel gut in den Kirchenraum einfügt, wirkt der Altar überdimensioniert. Er wurde erst 1979 aus einer baufällig gewordenen Kirche nach Wetzhausen versetzt. Der hochaufragende Aufbau mit einer relativ dunklen gemalten Darstellung der Geburt Christi füllt fast den ganzen Chorraum aus und behindert den Lichteinfall durch die Chorfenster.



Das Einzigartige in der Dorfkirche von Wetzhausen sind die zahlreichen steinernen Epitaphien und Totenschilde aus Holz, die an den Wänden des Kirchenraumes und des Herrschaftsstandes angebracht sind. Sie machen das Gotteshaus zu einem ganz besonderen Erinnerungsort.

