Die Funktionen von Kirchenräumen sind vielfältig. Sie sind Orte für den Gottesdienst, hier betet man, singt und feiert. In Kirchen finden Musikveranstaltungen statt, werden Vorträge gehalten. Kirchen sind und waren immer soziale Treffpunkte.
Andere, früher selbstverständliche Funktionen wurden aufgegeben oder sind in den Hintergrund getreten. Für Verhandlungen und Vertragsabschlüsse wählt man heute andere Räumlichkeiten. War es in früheren Jahrhunderten für einflussreiche Personen gang und gäbe, sich unter dem Fußboden ihres Gotteshauses beerdigen zu lassen, finden heute vor allem noch Bischöfe in ihren Domen die letzte Ruhe.

Für viele Menschen war die Kirche der Ort, an dem die Erinnerung an ihre Person zu Lebzeiten und über den Tod hinaus wachgehalten werden sollte. Grabmäler und Epitaphien, die als reine Erinnerungstafeln unabhängig vom Begräbnisort aufgestellt wurden, dienten diesem Zweck ebenso wie die vielen Stiftungen von Ausstattungsgegenständen, die – natürlich – den Namen des Stifters oder der Stifterin enthielten.

Wollte man damit zum einen der Nachwelt die christliche Glaubenshaltung der Urheber demonstrieren und den Betrachter zu einem stillen Gedenken veranlassen, dienten diese Kunstwerke zum anderen nicht zuletzt einer sozialen Repräsentation. Es waren in erster Linie Adlige, wohlhabende Bürger und Geistliche, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrer finanziellen Mittel an dieser Form der Erinnerungskultur Anteil hatten.

Sophie Agnes von Mecklenburg (1625-1694) gehörte zu dem Personenkreis, der über Jahrhunderte hinweg sakrale Räume als Erinnerungsort wählte. Ihr aufwändig gestaltetes deckenhohes Denkmal befindet sich in der Klosterkirche zu Rühn. Der obere Anteil mit dem Bildnis der Adligen wölbt sich baldachinartig über den breiten kastenförmigen Sockel, der zu Beginn dieser Seite abgebildet ist. Einer großen Kartusche mit einem Inschriftenfeld sind viele Informationen über die Herkunft und das Leben der Herzogstochter zu entnehmen. Demnach kam Sophie im Alter von acht Jahren in das frühere Kloster, das nach der Reformation in ein evangelisches Damenstift übergegangen war. Nach vierzigjähriger Regentschaft als Domina (Äbtissin) ist sie dort 1694 gestorben.

In Rühn findet man außer dem beeindruckenden Denkmal der Äbtissin eine Vielzahl von Epitaphien und anderen Erinnerungsstücken aus der Geschichte des Klosters bzw. Stiftes. In der Rubrik „Erinnerungsorte“ möchte ich einige Kirchen vorstellen, in denen dieser Aspekt besonders zutage tritt.