Rastenburg (Kętrzyn, PL)

Die hoch über dem kleinen Fluss Guber gelegene St. Georg-Kirche in Rastenburg sieht mit ihren zwei Türmen von weitem aus wie eine Burg. Ganz falsch ist der Eindruck nicht. Der höhere Turm war ursprünglich ein Wehrturm in der südwestlichen Ecke der Stadtbefestigung, an den im 14. Jahrhundert die erste Kirche angebaut wurde. Die recht gut erhaltene Stadtmauer umgibt das Areal noch immer.

Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche mit einem polygonalen Chor umgebaut und erhielt einen zusätzlichen Turm im Osten, der die Glocken aufnahm. Vom Turm geht der Blick über das im Krieg zerstörte Stadtzentrum zur neugotischen Katharinenkirche.

Der weißgetünchte Innenraum wird durch verputzte Achteckpfeiler in drei Schiffe unterteilt, die mit kunstvollen Zellengewölben abschließen. Eines der wenigen erhaltenen Ausstattungsstücke der früheren evangelischen Pfarrkirche Rastenburgs ist der ehemalige Hauptaltar, der nach einer Instandsetzung in einem Seitenschiff aufgestellt wurde. Das im Stil der Neugotik gestaltete, architektonisch aufgebaute Retabel enthält im Zentrum ein Gemälde mit der Darstellung einer Kreuzigungsszene. Auffallend hell hebt sich darin der Gekreuzigte von einer dunklen Umgebung ab. Das Bild aus dem Jahr 1871 ist ein Werk des damaligen Direktors der Kunstakademie Königsberg, Ludwig Rosenfelder.

Auch die Kanzel aus dem 16. Jahrhundert hat in der heutigen katholischen Gemeinde ihren Platz behalten. Mit ihrem Bild- und Textprogramm veranschaulicht sie allerdings nachdrücklich protestantisches Glaubensverständnis.

Schalldeckel

Des Herrn Wort bleibet ewiglich

Mit diesem Satz, der am Boden des Schalldeckels zu lesen ist, wird deutlich gemacht, dass die Verkündigung des Evangeliums im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht. Das verinnerlichen auch die Bilder, die die Kanzel schmücken. Sie stellen allesamt wichtige Verkünder des Wortes dar. Während Jesus Christus und der Apostel Paulus in trauter Gemeinsamkeit mit Luther und Melanchthon den Aufgang begleiten, enthält der Kanzelkorb Darstellungen der vier Evangelisten.

Auch die folgenden vier Herren haben das Wort Gottes verkündigt und zwar den Rastenburgern höchstpersönlich. Wahrscheinlich standen sie dabei sogar auf der eben beschriebenen Kanzel, denn sie lebten alle im 17. Jahrhundert. Adam Prätorius, Christian Sinnknecht, Christoph Bolius und Wilhelm Witzendorf reihen sich in die lange Liste der Pastoren ein, die in der St. Georg-Kirche gepredigt haben. Ihre Epitaphien hingen bis 1945 an den Wänden der Kirche und sind jetzt, von polnischen Restauratoren erneuert, im Museum für das Ermland und Masuren in Allenstein zu sehen. Lassen wir sie daher für diese „Kirchenführung“ an ihren alten Wirkort zurückkehren.

Aber auch die Erinnerung an einige „weltliche“ Honoratioren wurde in der Kirche wachgehalten. Das schwere steinerne Epitaph des Johann Horchen, seines Zeichens „Vicebürgermeister“ der Stadt Rastenburg, wurde im Kirchenraum belassen. Die Jahreszahl 1731 ist die einzige noch lesbare Datumsangabe der Inschrift. Die Vergänglichkeit (symbolisiert durch eine Sanduhr und einen Totenschädel), das Vertrauen auf Gott und die Hoffnung auf ein ewiges Leben gehen aus dem Text hervor.

Epitaph Johann Horchen

WAS ZEIGT DAS UHR UND DAS GEBEIN SOLLS NICHT EIN FESTES DENCKMAL SEYN DAS DIR UND MIR SEHR NAH DAS ENDE DRUMB FLEYCH DIE WOLLUST DIESER ZEIT BEDENCK DIE GRAUE EWIGKEIT BEFEHL DIE SEEL IN GOTTES HAENDE SPRICH GOTT ICH BITT DURCH CHRISTI BLUT MACHS NUR MIT MEINEM ENDE GUT

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